Warum Demokratie keine Lösung ist

Video 2 Warum Demokratie keine Lösung ist Blog

Der Weg zu besseren Entscheidungen im agilen Team

Schnelle Entscheidungen bringen Unternehmen schnell vorwärts. Im agilen Umfeld (wo im Idealfall nicht einzelne Führungskräfte sondern mehrere Teammitglieder gemeinsam entscheiden) kann es aber tricky sein, zu einem zügigen Entschluss zu kommen. Wir stellen euch in diesem Blogbeitrag zwei alternative Methoden vor, mit denen ihr im Team bessere Entscheidungen trefft. Aber Vorsicht: die schnellste Lösung ist nicht immer die beste.

Ist die schnellste Lösung auch die beste?

Wer ist dafür? Wer ist dagegen? Bei der Abstimmung nur noch die erhobenen Hände abzählen und schon hat man einen Mehrheitsbeschluss. Klingt simpel, oder? Zum einen ist es das auch – nur gibt es einen großen Hacken an dieser Art der Entscheidungsfindung. Das demokratische Mehrheitsprinzip stößt nämlich oft an seine Grenzen, denn: Zum einen bleibt die überstimmte Minderheit unzufrieden zurück, zum anderen kann es sein, dass die Beteiligten für oder gegen eine Sache stimmen obwohl sie sich eigentlich lieber enthalten oder für eine ganz andere Option votiert hätten. Deshalb eignet sich diese Vorgehensweise primär für eines: Zum Einfangen eines Stimmungsbildes. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um große oder kleine Gruppen handelt. Zur Entscheidungsfindung eignet es sich aufgrund der geringen Akzeptanz nur bedingt.

Beim Konsens sind alle dafür

Schöner ist es, im Team auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen – zu einem Konsens also. Das bedeutet: Es wird so lange diskutiert, bis wirklich alle einer Meinung sind. Um dieses Ziel zu erreichen, kann es hilfreich sein, konkrete Einwände abzurufen. Das funktioniert am besten mit der Widerstandsabfrage, die folgendermaßen funktioniert: Man befragt die Gruppenmitglieder beispielsweise, wie groß ihr Widerstand gegen eine Entscheidung ist und bietet ihnen fünf Antwortmöglichkeiten. Diese sollen die Intensität ihrer Zustimmung bzw. Abneigung darstellen und können folgendermaßen aussehen:

  • Daumen hoch = „kein Widerstand“
  • Zwei Finger hoch = „geringer Widerstand“
  • Drei Finger hoch= „mittlerer Widerstand“
  • Vier Finger hoch= „hoher Widerstand“
  • Fünf Finger hoch = „extremer Widerstand“

Sollte es mehrerer Auswahlmöglichkeiten geben, so vergibt man für jede Antwort jeweils 1-5 Punkte und zählt diese am Ende zusammen. Gewonnen hat die Option mit der geringsten Punkteanzahl und somit dem geringsten Widerstand.

Diese Vorgangsweise ist natürlich etwas aufwändiger als eine einfache Abstimmung, bietet im Gegenzug aber ein differenziertes Stimmungsbild. Die Durchführung ist an sich simpel und wird für Gruppen mit bis zu 15 Personen empfohlen.

Konsensentscheidung

Beim Konsent ist keiner dagegen

Eine zweite Möglichkeit, um professionellere und bessere Entscheidungen zu treffen, ist das Systemische Konsentieren. Dabei berücksichtigt man in der Abstimmung nur schwerwiegende Einwände, kurzum: Es zählen die Argumente und nicht die abgegebenen Stimmen. Da in der schnelllebigen, agilen Welt nicht immer die perfekte, sondern lediglich eine Entscheidung getroffen werden muss, lautet das Motto beim Konsentprinzip: „Good enough for now, safe enough to try.“ Die Entscheidung wird in einem fünfstufigen Verfahren getroffen:

  1. Eröffnung: Anfangs werden Entscheidungsthema und Entscheidungsvorschlag präsentiert und alle Fragen dazu geklärt.
  2. Meinungsbildung: Im zweiten Schritt werden Impulse und Meinungen zum Gehörten abgefragt. Je nach Komplexität des Themas kann es sein, dass man diese Runde ein bis zwei Mal wiederholen muss.
  3. Konsent-Runde: Das ist das Herzstück dieses Entscheidungsverfahrens. Dabei signalisieren die Teammitglieder per Handzeichen, wie sie zu einer Option stehen.
    1. Daumen hoch = „Ich bin dafür."
    2. eine offene Hand = „Ich habe (leichte) Bedenken, aber ich unterstütze den Vorschlag.“
    3. beide Hände geöffnet = „Ich habe schwerwiegende Einwände“.

      Das Schöne an diesen Gesten ist, dass man bei einer Ablehnung nicht den Daumen nach unten wählt, sondern seine schwerwiegenden Einwände (deren Äußerung vielleicht auch Überwindung kostet) dem Team symbolisch überreicht.
  4. Verbesserungsrunde: In diesem Schritt ist es wesentlich, dass sich Mitarbeitende, die schwerwiegende Einwände geäußert haben, aktiv an der Lösungsfindung beteiligen. Einfach nur „dagegen“ zu sein gilt nicht, vielmehr ist eine konstruktive Mitarbeit gefragt.
  5. Beschluss: Die Abschlussrunde dient zur Verkündung der Entscheidung, die auf den vorangegangenen Runden basiert.

Das Konsent-Verfahren eignet sich vor allem für agile Teams mit einer Gruppengröße von ca. zwölf Personen. Es ist etwas komplexer als die konsensuale Entscheidungsfindung und erfordert ev. insbesonders in der Anfangsphase eine Moderation. Nichtsdestotrotz ist das systemische Konsentieren ein tolles Verfahren, mit dem agile Teams schnell weiterkommen. Dabei stechen vor allem die Argumente von leichten Bedenken und schwerwiegenden Einwänden ganz klar hervor.

Systemisches Konsentieren
Video 2 Warum Demokratie keine Lösung ist Blog

Letzter Post Die Psychologie der virtuellen Zusammenarbeit

Nächster Post Psychologische Stolperfallen “agiler” Organisationsentwicklung